Geschichte

Geschichte

Die „Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Tacherting“ wurde  von

Kommandant Wilhelm Leineweber und Kreisbrandmeister Josef Graf

zum 100 jährigen Gründungsfest 1978 zusammengetragen und in der

Festschrift veröffentlicht.

 

In den Jahren 2000 – 2001 wurde diese Veröffentlichung vom ehemaligen

Kommandanten und jetzigem Schriftführer Wilhelm Leineweber neu überarbeitet.

 

Gründungsgeschichte

Im Landratsamt Traunstein war im

„Act des Königl. Bayer. Bezirks-Amt Traunstein von 1874“

betreff der Feuerwehr Tacherting folgendes festgehalten:

 

18.05.1874  Gründung einer Pflichtfeuerwehr

12.07.1875  Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr

 

Laut Aufschreibungen von Alois Flötzl in der Gemeindechronik vom 22.Mai 1949  war die Gründung der

Freiwilligen Feuerwehr Tacherting am 15.08.1877

Offensichtlich war die Gründung einer Pflichtfeuerwehr im Jahre 1874 und die Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr im Jahre 1875 bis etwa 1980 nicht bekannt, weil sich Gründungsfeste  immer wieder auf das Jahr 1877 bezogen.

 

Auch nach bekannt werden obengenannter Gründungsdaten beschloss die jeweilige Vorstandschaft weiterhin vom Gründungsjahr 1877 auszugehen und es bleibt deshalb bei folgender Gründungsgeschichte:

Am 15.August 1877 versammelten sich auf Anregung des Lehrers Clemens Welzmüller im damals “Schusterschen“ Gasthaus (an anderer Stelle auch „Stellingsches Gasthaus genannt, heute Gasthof zur Post mit der Besitzerin Christine Dobler-Gröbner), etwa 30 Mann.

Nach dem Vorbild der bereits entstandenen Feuerwehren wurden die wichtigsten Funktionen durch Wahl vergeben.

 

Das Wahlergebnis lautete wie folgt:

Vorstand: Georg Schuhbeck, Bürgermeister, Ökonom und Schmiedemeister in Eberting

Kommandant: Josef Huber, Neumeierbauer in Schalchen

Adjutant: Simon Thalhammer, Obermüller in der Schermühle

Steiger Zugführer: Josef Rieperdinger, Taglöhner in Tacherting

Spritzenmeister: Anton Aicher, Lex in Tacherting

Rettungsmannschaftszugführer: Peter Wimmer, Huber in Flecking

Weitere Gründungsmitglieder: Stephan Flötzl, Schneiderhuber von Lohen

Sebastian Scheitz, Bauer von Hütting

 

Der neu gegründeten Wehr stand eine Saug- und Druckspritze, die schon vor dem Gründungs-jahr von den Pfarreien Tacherting und Engelsberg angeschafft und im Vorraum der Tachertinger Kirche untergestellt worden war, zur Verfügung.

 

Weitere Entwicklung der Wehr bis zum 1.Weltkrieg 1914:

Die Wehr zählte schon kurze Zeit nach der Gründung 100 Aktive. Als erste Ausrüstungsgegenstände wurden eine „Branddirektionsfahne“, vier Messinghelme, ein Signalhorn, vier Gurte und Uniformknöpfe von der Feuerwehr gekauft. Von der Gemeinde wurde eine Saug- und Druckspritze angeschafft, die bei 15 Bränden, die bis 1914 die Gemeinde heimsuchten, eingesetzt wurde. Häufig war die Wehr auch außerhalb des Gemeindebereiches zur Nachbarschaftshilfe ausgerückt. Am 2.Juni 1912 feierte die Freiwillige Feuerwehr Tacherting das 35 jährige Gründungsfest mit der Weihe einer neuen Fahne. Der Kauf dieser Fahne war durch Spenden der Bevölkerung und durch einen stattlichen Zuschuss des Grafen Arco von Stein ermöglicht worden.

Die weitere hoffnungsvolle Entwicklung der Wehr wurde durch den 1. Weltkrieg beendet.

 

Der 1.Weltkrieg 1914 – 1918:

Als im Sommer 1914 mobilgemacht wurde, mussten von den etwa 100 Aktiven der Freiwilligen Feuerwehr Tacherting 27 Mann die Feuerwehruniform mit dem Feldgrau der Wehrmacht tauschen. Doch dabei blieb es nicht. 1915 waren es 23 Mann, 1916 18 Mann, 1917 13 Mann und 1918 noch 5 Mann, die den Weg ins Feld antraten. 88 Männer der Feuerwehrtaten an den verschiedenen Fronten des Krieges, hauptsächlich in Frankreich, Dienst für das Vaterland. 19 Feuerwehr Männer kehrten nichtmehr in die Heimat zurück. Diese Zahlen veranschaulichen wohl am besten, wie tief der Krieg in das Leben des Dorfes eingriff. Aber auch diese schwere Zeit überstand die Freiwillige Feuerwehr.

 

Zwischen den Kriegen 1918 – 1939:

Nach dem Sturm des Krieges im Jahre 1919 fand die Neuwahl der wichtigsten Funktionen der Wehr statt. Das Amt des Kommandanten erhielt Stefan Flötzl, der es schon seit 1888 bekleidete und der diese Funktion bis 1924, also 36 Jahre lang, ausfüllen sollte. Die Zahl der aktiven Wehrmänner stieg stetig an und überschritt bald die 100 Mann-Grenze. Am 6.Mai 1928 wurde im kleinen Rahmen das 50 jährige Gründungsfest gefeiert. Die damalige finanzielle Situation des Vereins ließ keine größere Festlichkeit zu. Das Jahr 1933 brachte nicht nur in politischer Sicht einschneidende Veränderungen, sondern auch für die Freiwilligen Feuerwehren. 1937 konnte man noch mit 122 Aktiven das 60 jährige gründungsfest der Freiwilligen Feuerwehr Tacherting feiern. Das Verbot des Mitführens der alten Vereinsfahne, das 1938 erlassen wurde, signalisierte das Ende des Freiwilligen Feuerwehrwesens. Was bei umliegenden Feuerwehr bereits vollzogen war, geschah nun auch in Tacherting. Die Wehr wurde neu eingeteilt. Von den über 100 Aktiven wurden nur 54 Mann übernommen und den beiden entstandenen Halblöschzügen zugewiesen. Die Wehr übernahm nun Polizeiaufgaben, z.B. Streifengänge. Die Kommandantenfunktion übernahm der zuständige Bürgermeister. Ihm zur Seite standen 1 Oberbrandmeister, 1 Brandmeister, 4 Löschmeister, 8 Oberfeuerwehrmänner, 24 Feuerwehrmänner, 1 Reservelöschmeister, 3 Reserve Oberfeuerwehrmänner und 12 Reservefeuerwehrmänner. Von denen, die der Wehr nicht angehörten, wurde eine Feuerschutzabgabe erhoben.

Dies betrug für:

Ledige Fabrikarbeiter bis 30 Jahre                            4 RM

Fabrikarbeiter über 30 Jahre                                     2 RM

Dienstboten über 30 Jahre                                         2 RM

Bauern bis 30 Tagwerk                                               3 RM

Bauern von 30 – 70 Tagwerk                                    5 RM

Bauern von 70 – 90 Tagwerk                                    7 RM

Bauern über 90 Tagwerk                                           9 RM

 

Blieben aktive Wehrmänner den Übungen fern, so wurde eine Ordnungsstrafe von 1 RM erhoben. Nahm ein Aktiver öfters an den Übungen nicht teil, wurde er in die Pflichtfeuerwehr Trostberg eingereiht. Zielbewusst wurde die Wehr auf ihre Aufgaben im Kriegsfalle vorbereitet.

Dazu gehörte die Ausbildung im Aufspüren von Giftgasen. Auch die Uniform wurde dem militärischen Vorbild angepasst. Der Feuerwehrmann trug nun Achselstücke, die Dienstgrade dazu noch das Seitengewehr.

 

Der 2.Weltkrieg 1939 – 1945:

Das jahr 1939, in dem der Sturm des Krieges losbrach, veränderte auch in der Tachertinger Wehr viele Dinge. Von den 54 Aktiven mussten 11zu Kriegsbeginn einrücken. Um diesen Fehlbestand auszugleichen wurden die Mitglieder der sogenannten Altersabteilung, die 1938 gegründet worden war und der die älteren Wehrmänner angehörten, wieder in den Feuerwehrdienst einberufen. Ihnen zur Seite stand eine Abteilung die aus Hitlerjungen gebildet worden war.

Auch eine Frauenfeuerwehr wurde in diesem Jahr gegründet, die bei der Besichtigung, wie in der Chronik vermerkt wird, großes Lob und Anerkennung erntete.

 

Die Ausrüstung der Wehr umfasste im Kriegsjahr 1940:

2 Saug-und Druckspritzen 2 Sanitätstaschen
300m C-Schlauch 20 Trillerpfeifen
1 Schubleiter 9 Seile
1 Anstell-Leiter 4 Leinen
28 Helme aus Messing  4 Schlauchhalter
18 Dienstgradgurte mit Seitengewehr 1 Nothaken
26 Mannschaftsgurte 1 Feuerwehrfahne
2 Signalhörner 18 Uniformröcke
2 Hupen 54 Mützen

 

Während des Krieges waren glücklicherweise keine größeren Brandfälle im Gemeinde Bereich zu verzeichnen, doch rückte die Wehr öfters im Rahmen der Nachbarschaftshilfe in die Umgebung aus. Mit der dauerdes Krieges wurden immer mehr Wehrmänner eingezogen. Manch einer von ihnen kehrte nicht mehr zurück. Der Feuerschutz wurde immer mehr von Frauen, Hitlerjungen und alten Wehrmännern getragen. Dass er überhaupt gewährleistet war, war das verdienst dieser Gruppierung.

 

Nach dem Krieg 1945 – 1949:

Das Jahr 1945 brachte für die Tachertinger Wehrwieder tiefgreifende Umwälzungen. Die bisherigen Dienstgrade der Wehr wurden abgesetzt. Ausgeschlossen un der Wiedereintritt für sie auf Jahre versboten. Achselstücke und Seitengewehre mussten abgegeben werden. Die Führung der neuen Pflichtfeuerwehr wurde dem Schmiedemeister Franz Disterer übertragen. Die Wehr selbst bestand zu einem Teil aus Männern, die zum Feuerwehrdienst verpflichtet worden waren un die dieser Pflicht nicht gerade freudig nachkamen. Doch der Gedanke der Freiwilligen Feuerwehr setzte sich bald durch.

 

Von 1949 bis heute:

Am 15. Mai 1949 versammelten sich im Gasthaus „Gröbner“ zu Tacherting 35 Männer der Gemeinde, um die Freiwillige Feuerwehr neu ins Leben zu rufen.

Als Kommandant wurde Sebastian Törringer gewählt. Der Wehr stand „Dodge“ (Dodschge), ein amerikanischer Wagen, als Fahrzeug zur Verfügung. Langsam wurde auch die übrige Ausrüstung erneuert und erweitert.

1958 konnte das 80 jährige Gründungfest mit der Weihe einer neuen Fahne gefeiert werden. 1961 erhielt die Wehr ein neues Fahrzeug  der Marke „Borgward“, ein LF 8 das bis 1979 als Löschfahrzeug seinen Dienst tat.

1968 wurde das 90 jährige Gründungsfest im kleinen Rahmen gefeiert.

1976 Die erste Feuerwehr-Jugendgruppe wird gegründet

1978 Zusammen mit vielen Ehrengästen, 24 Nachbarvereinen und 23 weiteren Vereinen wird das 100 jährige Bestehen der Feuerwehr Tacherting mit der Weihe einer neuen Fahne groß gefeiert.

03.03.1986 Kommandant schlägt der Gemeinde eine Aufstockung des Feuerwehrhauses zur Unterbringung eines ausreichend großen Unterrichtsraumes vor und liefert Umbauvorschlag als Handzeichnung dem Antrag mit.

07.04.1986 Franz Disterer erinnert sich, dass etwa 30 Feuerwehr-Messinghelme beim Abbruch des alten Feuerwehrhauses im Rathausspeicher eingelagert wurden. Nicht ein einziger Helm war mehr auffindbar!

02.06.1986 Willi Leineweber hat Feuerwehr-Dokumente für eine Gemeindechronik zu sammeln und Hans Wimberger zur Verfügung zu stellen.

01.12.1986 Der Kauf eines neuen VW-Busses wird von der Gemeinde genehmigt (der Feuerwehrverein zahlt 5 000.- DM dazu).

Der Bürgermeister lehnt die vom Kommandanten vorgeschlagene Feuerwehrpflicht für Gemeindearbeiter ab.

25.01.1987 Die Gemeinde überlegt sich den Neubau eines Feuerwehrhauses an der Römerstraße.

17.03.1989Der Feuerwehrhaus-Neubau ist beschlossen und beginnt im Juni des Jahres.

Die Hebfeier war am 09.11.1989, es waren nur 5 Mann der Feuerwehr eingeladen !)

16.03.1990 Das Gisserhaus mit dem Feuerwehr-Unterrichtsraum wird wegen Sturmschaden abgerissen.

28.05.1990 Der Tachertinger Arzt Dr.Werner Lauf stellt sich auf Bitten des Kommandanten als Feuerwehrarzt zur Verfügung. Er wird künftig zeitgleich mit der Feuerwehr über einen Funkmelde-empfänger alarmiert und fährt bei Ereignissen mit Verletzten selbstständig zum Unfallort.

28.09.1990 Neues Feuerwehrhaus: Weihe des neuen Feuerwehrhauses mit 170 geladenen Gästen, am Abend ist Einstandsfeier mit den Aktiven und am Sonntag Tag der offenen Tür.

30.01.1991 Feuerwehrball wurde wegen Golfkrise abgesagt.

1991 Die von Willi Leineweber vor Jahren im Wohngebäude des ehemaligen Kommandanten Josef Heigermoser entdeckte Feuerwehrstandarte wird in einem Schaukasten im Unterrichtsraum aufbewahrt.

31.12.1991 Die Anschaffung des ersten Computers für die Feuerwehr aus Vereinsmitteln wird beschlossen (ca. 5000.- DM).

10.01.1993 Die alte TS-8 aus dem Borgward-LF-8 wird von den Aktiven restauriert und im Eingangsbereich des Feuerwehrhauses aufgestellt.

18.06.1993 Das 115 jährige Gründungsfest wird im kleinen Rahmen mit den Aktiven, dem Gemeinderat und einigen weiteren Gästen im Feuerwehrhaus gefeiert.

03.06.1994 Indienststellung des von der Gemeinde angekauften, gebrauchten Rüstwagen der von den Aktiven in mühevoller Kleinarbeit überholt und eingerichtet wurde.

12.11.1997 In einer groß angelegten Werbeaktion werden 182 neue Mitglieder für den Feuerwehrverein geworben.

15.01.1999 Die vom Schriftführer erstellte „Neue Vereinssatzung“ wird bei der Jahreshauptversammlung vorgestellt und einstimmig angenommen.

25.05.1999 Die Vorstandschaft beschließ im Mai 2003 das 125 jährige Gründungsfest der Tachertinger Feuerwehr zu feiern.

14.01.2000 Der Feuerwehrverein hat zur Zeit 650 Mitglieder.

05.12.2000 Der Gemeinderat beschließt den Kauf eines neuen Tanklöschfahrzeuges für ca. 393 000.- DM. Beim vorhanden Tanker sind die Einbauten im Wassertank durch Korrosion zerstört.